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ChatGPT – eine Frage der Ehre? Akademische Wertevermittlung in Zeiten von KI

Eine neue Technologie, die Künstliche Intelligenz in Form von Chat GPT, hat Einzug in unser Leben und unsere Klassenzimmer gehalten. Die Medien sind voll davon. Es ist naheliegend, dass auch unsere Schülerinnen und Schüler diese ausprobieren. Das ist auch gut so, denn wir wollen ja, dass sie neugierig und experimentierfreudig sind und sich mit neuen Technologien auseinandersetzen.

So verwunderte es mich nicht, dass kurz vor Ende des letzten Schuljahres einige schwerwiegende Fälle von „Leistungsbetrug“ mithilfe von ChatGPT auftraten.

In den vergangenen Monaten wurde viel darüber geschrieben, wie Schulen mit der neuen Technologie umgehen sollten, Handreichungen von höchster Stelle verfasst, Kontrollverfahren etabliert, Gegenmaßnahmen diskutiert, Positives für den Unterricht hervorgehoben.

Aber bei all diesen Erörterungen bemerkte ich, dass mir im deutschen Schulsystem deutlich der pädagogische Ansatz der akademischen Wertevermittlung fehlte, der in anderen Schulsystemen, insbesondere den angelsächsischen, längst etabliert ist.

Akademische Wertevermittlung: Was ist darunter zu verstehen? 

Der englische Fachbegriff dafür lautet „Academic Honesty (Integrity) “ – akademische Ehrlichkeit.

Mir begegnete dieser Begriff erstmals, als ich mich im Rahmen einer Fortbildung mit den Grundlagen des International Bacchalaureate (IB) auseinandersetzen durfte, das als international anerkannter Bildungsabschluss an vielen Schulen im Ausland verliehen wird. Schülerinnen und Schüler werden hier schon seit langer Zeit – also lange vor der aktuellen Diskussion um KI in der Schule – zur „Akademischen Ehrlichkeit“ angehalten und darin angeleitet.

Jede IB-Schule verfügt über ein ausgearbeitetes Konzept, wie „Academic Honesty“ dort sichergestellt werden soll. Schon frühzeitig wird den Lernenden vermittelt, dass es als unehrenhaft angesehen wird, wenn akademische Leistungen und Titel auf unehrliche Weise erreicht werden, also durch betrügerische Handlungen.

Es wird eindeutig klargestellt, was darunter zu verstehen ist: Pfuschen, Abschreiben vom Nachbarn, Nichtangabe von Quellen und Hilfsmitteln, Plagiate – das sind auch ohne ChatGPT die gängigen „Schummelmethoden“, die wir auch aus unserem Bildungssystem kennen. Auch die Unterstützung von Unehrlichkeit, beispielsweise durch Mitschülerinnen, Mitschüler oder Eltern, wird verurteilt.

An Schulen, die das IB vergeben, müssen sich alle Lernenden und Lehrenden mit ihrer Unterschrift zur „Academic Honesty“ verpflichten. Gleichzeitig werden die Schülerinnen und Schüler aber auch in der akademischen Ehrlichkeit angeleitet, beispielsweise durch das Training von Zitierregeln.

Wie ich mich bei einer zweiwöchigen Hospitation am Atlantic World College in Wales überzeugen konnte, steckt hinter einer solchen...

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